«DER KOSAKEN-BOTE» Nr. 7 (erscheint halbjährlich)

Liebe Freunde und Förderer des Lienzer Kosakenmuseums!

Wir möchten Ihnen im folgenden einen kurzen Überblick über unsere «Kosaken-Neuigkeiten» in Lienz geben: 

  • 14 Oktober 2016: Fest «Maria Schutz» Liturgie in der Kosakenkapelle und orthodoxes Requiem am Kosakenfriedhof in Lienz-Peggetz sowie am «Kosaken-/Pannwitzstein» in Tristach. An diesem Tag hatte General von Pannwitz Geburtstag, was seine Kosaken als Zeichen himmlischer Gunst werteten. Abends folgte dann die feierliche Eröffnung unseres Kosakenmuseums in den neuen Räumlichkeiten  am Hauptplatz von Lienz. Mehr als 60 Teilnehmer von nah und fern. Nach Gebet und Segen durfte Klein-Gregor (4), Sohn unseres Mitglieds Ferdinand Ruggenthaler, ein blaues Band an der Eingangstüre durchtrennen und die Anwesenden konnten die neuen Räume und Exponantee in Augenschein nehmen. Auch für das leibliche Wohl war ausreichend gesorgt – durch eine Cateringfirma und durch Eigenleistung mehrerer Helferinnen.
  • 17 Oktober 2016 Auf Einladung von Herrn Wladimir Grekoff, Vorsitzender des französischen Kosakenvereins, reiste Museumsleiter Georg Kobro von Lienz  nach Paris, um dort am Regimentsfest der Nachfahren von  Leibkosaken Seiner Majestät des Zaren (Association du Souvenir du Régiment des Cosaques de la Garde Impériale) in deren reich bestücktem, für aussenstehende seit Jahrzehnten nahezu unzugänglichem Museum am Regimentsfest teilzunehmen und damit eine Verbindung zu diesem historischen Museum der alten russischen Emigranten  anzuknüpfen. Aus der dortigen reichen Museumsbibliothek erhielt Georg Kobro mehrere wertvolle Kosaken-Zeitschriften für das Kosakenmuseum in Lienz.
  • 1 November 2016:  «Allerheiligen» Am Kosakenfriedhof in Lienz sowie am «Pannwitzstein» (Denkmal für General Helmuth von Pannwitz und seine 25.000 Kosaken des XV. Kosaken-Kavallerie-Korps) hielt unsere Geistlichkeit jeweils eine Gedenkfeier. An den Andachten nahmen ca. 20 Einheimische teil. Alle Grabstellen waren stimmungsvoll mit je einem Grablicht geschmückt, liebevoll von Frau Erika Pätzold besorgt.

NEUE EXPONATE UND ARCHIVMATERIAL IM KOSAKENMUSEUM

Aus einem Privatarchiv schenkte man uns eine alte Postkarte aus Nikolsdorf im Drautal, wo 1945 eine Kosakeneinheit des «Mobilen Kosakenstandorts – Kasatschij Stan»  stationiert war, die ebenfalls der grausamen Auslieferung zum Opfer fiel. Aufschlussreich ist der russische Text auf der Rückseite der Postkarte (ca. 1952): 

 

«Hier auf dem örtlichen Gottesacker nahe der Dorfkirche befindet sich ein Sammelgrab mit fünf  Kosaken, welche bei der Auslieferungstragödie umkamen. Von diesen kennen wir zwei Namen: Poltawski und Bojko. Am Grab sgteht ein Granitdenkmal mit einem Eisernen orthodoxen Balkenkreuz.

Aufgeschrieben von Mesner GORDIENKO».

 

Unsere Museumsmitarbeiter geben sich seit geraumer Zeit Mühe, Näheres zu diesem – mittlerweise leider nicht mehr existenten – Kosakengrab in Nikolsdorf in Erfahrung zu bringen. Eine andere Quelle (Gemeindebericht der Salzburger russ.-orth. Diözese) erwähnt die Pflege dieses  Grabes noch 1960.

 

Im September 2016 spendete eine Lienzerin unserem Museum einen schmucken alten  russischen «Kosaken-Kochtopf», genannt «Gorschok-Tschugunok», der aus Kosakenbestnden in ihre Familie kam. Derartige besonders geformte Kochtöpfe gehen auf eine jahrtausendealte Urform zurück, wie sie aus Ausgrabungsfunden in Russland  bekannt ist.

 

Im Oktober des lfd. Jahres 2016 erhielt unser Museum weitere Museumsgaben, von der einheimischen Bevölkerung uns gebracht: Persönliche Dokumentar-Unterlagen und Säbel eines alten Kosaken, der ca. 1980 in Lienz verstarb, ferner verrußtes altes Aluminium-Kochgeschirr der Kosaken sowie einen weiteren Sattel. 

 

Unser Museums-Archiv wurde durch folgende Quellenfunde bereichert:

  • Wertvolles Archivmaterial zum Thema «Kosaken» aus der Hinterlassenschaft von Prof. Dr. Nikolai Salnikow (+ 2010) und dessen Gattin Dr. Eva Salnikow  (+  2016, beide zuletzt an der Universität Mainz tätig und pensioniert) aus Klagenfurt.
  • Professor Salnikow lebte 1945 als Jugendlicher in Lienz-Peggetz. Er überlebte die Auslieferung, weil seine russische Familie in der Zwischenkriegszeit inzwischen slowenische Staatsangehörige geworden war.
  • Die rusische Emigrangten-Zeitschrift «Der Kaukasus-Kosake» Nr. 12, Belgrad 1931, mit einem wichtigen Beitrag des Kosakengenerals Andrej G. Schkuro (Kamerad von  General Helmuth von Pannwitz und General P.N. Krasnow, 1945 ebenfalls von den Briten aus Lienz ausgeliefert); 
  • BELJAEVSKIJ, V.A.: Die Rolle und Tragödie der Kosaken im Zweiten Weltkrieg. San Paulo (Brasilien) 1963. Ein seltenes, höchst informatives Buch mit Augenzeugenberichten von der Auslieferung in Lienz.
  • BONDARENKO,Igor/Dolejschi,Josef: Die Kosaken in Ost-Mitteleuropa. Bratislava 2013. Reich bebilderte Untersuchung in tschechischer und russischer Sprache.
  • Kopien der Zeitschrift «KOSAKEN-WACHPOSTEN» («Na Pikete»)  schenkte uns die Historikerin Frau Elena Kuhlen aus München. Diese landeskundlich und historisch informative Zeitschrift von hohem Seltenheitswert  erschien regelmäßig im russischen Flüchtlingslager München-Schleißheim in den Nachkriegsjahren 1946 bis 1949, bevor ihre Mitarbeiter nach Übersee auswanderten.
  • Ebenfalls von Frau E. Kuhlen erhielten wir in gebundener Ablichtung Kopien der fundamentalen Forschungsarbeit von Gen. Wjatscheslaw Naumenko «Auslieferung der Kosaken in Lienz sowie an anderen Orten», Hefte 1 bis 19, 1945-1957.
  • Frau Nadja Sokoloff, Tochter des bekannten russischen Kosaken-Malers Afanassij Scheloumow (1980, Starnberg), schenkte unserem Archiv zwei Gedichtsbände des Kosakendichters N.Mamontow. Die tagebuchartigen Gedichte umfassen eine ereignisreiche Epoche: sie beginnen 1918 im Bürgerkrieg «Weiß gegen Rot» in den südrussischen Steppen, ziehen sich dann 1920 bis 1924 über die türkisch-griechischen Exil-Inseln Gallipoli und Lemnos, über die Zwischenkriegszeit in Belgrad, und enden 1945 bis 1949  im «Weissen russischen Kosakenlager» Kellerberg/Kärnten. Der Verfasser wanderte dann nach Argentinien aus, wo er um 1970 als bekannter Emigranten-Intellektueller verstarb.
  • Mamontows Werke finden sich ferner dem einmaligen literarischen Sammelband «Kellerberg 1949» mit satirischen, besinnlichen und faktenreichen Beiträgen aus dem äußerlich armen, geistig jedoch äußerst quirligen, intellektuellen Flüchtlingsmilieu des  Lagers Kellerberg. Wir haben uns eine überarbeitete und kommentierte  Neupublikation als Projekt vorgenommen.

ERSTAUNLICHES: SCHICKSALSWEGE EINES KOSAKEN-GRABSTEINS

Am 6. September 2016 wurde in Lienz-Peggetz in einer Entfernung von 250 Metern Drau-abwärts vom Kosakenfriedhof, auf dem privaten Anwesen der Eheleute Franz und Thekla Edlinger, der Grabstein des 1955 in Spittal an der Drau verstorbenen Sergej Semjonowitsch DIUBIN, Leib-Kosak Seiner Majestät des Zaren, als Denkmal neu aufgestellt. 

 

Zur Vorgeschichte

Das aufgelassene Grab des Zaren-Kosaken Sergej DIUBIN (1888-1955) befindet sich auf dem Städtischen Friedhof in Spittal. Den Grabstein erhielt Erzdiakon Dr. Georg Kobro im Sommer 2015 von der Friedhofsverwaltung Spittal kostenlos zur freien Verfügung. Daraufhin wurde der Steinmetzbetrieb Franz Klander aus Greifenburg beauftragt, den gut erhaltenen Stein abzutransportieren und konservierend zu behandeln. Inzwischen schlug Herr Kobro der Landesgeschäftsstelle des „Österreichischen Schwarzen Kreuzes“ in Innsbruck vor, dieses schön restaurierte beeindruckende Denkmal am Kosakenfriedhof Lienz neben der neuen Kapelle aufzustellen. Es wäre aus unserer Sicht eine historische Bereicherung des Friedhofs sowie im Sinne des Verstorbenen gewesen, welcher sicherlich zu der Kosakengemeinschaft in Lienz enge Kontakte unterhielt, ja: vermutlich sich noch vor oder auch während der tragischen  Auslieferung von hier nach Spittal retten konnte.

 

Nach einer Zusage und weiteren mehrmaligen positiven Versicherungen der Landesgeschäftsstelle des Österreichischen Schwarzen Kreuzes, abgegeben im Verlauf eines Jahres, erfolgte jedoch Mitte August eine abrupte Absage, die auf einen nicht nachvollziehbaren  Einspruch eines der Kuratoriumsmitglieder des ÖSK erfolgte, welchem es gelungen war, auch andere Mitglieder umzustimmen. Inzwischen war das Denkmal vom Steinmetzbetrieb selbstverständlich teuer restauriert worden. Herr Kobro und Frau Pätzold  waren  fassungslos.

 

Glücklicherweise erklärten sich die Eheleute Thekla und Franz Edlinger, Heimatkundler und Eigentümer eines Grundstückes in nur 250 m Entfernung vom Kosakenfriedhof am Drauufer gelegen, spontan bereit, diesem historischen Kosaken-Grabstein auf ihrem Grund und Boden ein neues Zuhause zu gewähren. Damit ist dem wertvollen Denkmal dieses ungewöhnlichen Mannes ein Weiterleben in Lienz nahe dem Kosaken-Gottesacker mit seinen dort ruhenden Landsleuten und Kameraden gesichert, wie durch eine Fügung auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Drau-Radwanderweg und zur ehemaligen «Kosakenbrücke«, seit Jahren einer Marterl-Gedenkstätte. Damit hat Lienz jetzt eine neue Kosaken-Sehenswürdigkeit hinzugewonnen.

 

Ende gut – alles gut! Dank sei Gott und den Eheleuten Edlinger. 

  

Hinweis: der gängige Ausdruck «die Kosaken, ein Reitervolk, wurden an die Russen ausgeliefert» ist sachlich falsch und als russenfeindlich-volksverhetzend inakzeptabel. Richtig ist: Kosaken waren im Russischen Reich kein Reitervolk, sondern ein Wehrbauern - und Berufskriegerstand. Auch waren die Kosaken kein gesondertes Volk sondern eine russische Volksgruppe, sie sprachen/sprechen Russisch, die Sowjets ebenso. Russische Kosaken, politische Gegner des kommunistischen Regimes in der UdSSR, wurden an die Sowjets ausgeliefert. Der Unterschied lag nicht im Ethnischen, sondern im Politischen. Das gesamte russische Volk war zur Sowjetzeit in seiner Heimat von Kommunisten ebenso geknechtet/unterjocht wie die zwölf Kosakengemeinschaften, welche in ihren halbautonomen Wehrbezirken an den russischen Südgrenzen  inselartig in Enklaven verstreut lebten. Heute wirken Kosaken als Trachten- und  Bürgerwehr-Verbände. 

Allen Freunden und Spendern danken wir aufs Herzlichste und wünschen Ihnen Gottes reichen Segen. Ihre Unterstützung benötigen wir dringend.  Werden auch Sie Mitglied in unserem «Förderverein Kosakenmuseum Lienz e.V.!

 

Ihre Geistlichkeit, Museums - und Vereinsleitung